24. Februar 2027 - 09:00 bis 16:00 Uhr
Kinderschutz, Risikoabschätzung und Schutzfähigkeit bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt im familiengerichtlichen Verfahren
Referentin: Alena Mess
Verdachtsfälle sexualisierter Gewalt stellen alle Verfahrensbeteiligten vor besondere fachliche Herausforderungen. Die Beteiligten bewegen sich häufig im Spannungsfeld zwischen Kinderschutz, Elternrechten, ungeklärter Verdachtslage und hohen Anforderungen an die eigene professionelle Rolle.
In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass Unsicherheiten hinsichtlich der Risikoabschätzung, der Bewertung elterlicher Schutzfähigkeit, der Durchführung von Umgangskontakten sowie der Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen zu erheblichen Belastungen für Kinder führen können.
Die Fortbildung vermittelt praxisnahes Wissen zur Einschätzung von Risiken, Schutzfaktoren und Schutzfähigkeit im familiengerichtlichen Kontext. Ziel ist die Entwicklung größerer Handlungssicherheit bei der Bewertung komplexer Fallkonstellationen sowie die Vermeidung typischer Fehlerquellen im Verfahren.
Lernziele:
Die Teilnehmenden:
• kennen die Besonderheiten familiengerichtlicher Verfahren bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt
• können familienrechtliche und strafrechtliche Fragestellungen voneinander abgrenzen
• verstehen die unterschiedlichen Rollen und Aufgaben der beteiligten Professionen
• können Schutzfähigkeit und Schutzbereitschaft von Eltern systematisch einschätzen
• kennen typische Täterstrategien und deren Bedeutung für familiengerichtliche Verfahren
• können Risiko- und Schutzfaktoren fachlich begründet bewerten
• kennen Anforderungen an tragfähige Schutzkonzepte
• können die Voraussetzungen und Grenzen begleiteter Umgangskontakte einschätzen
• erkennen typische Verfahrensfehler und deren Auswirkungen auf Kinder
• erhalten konkrete Handlungsempfehlungen für die eigene Praxis
Inhalt:
Einführung
• Besonderheiten familiengerichtlicher Verfahren bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt
• Herausforderungen für die beteiligten Professionen
• Typische Konfliktfelder zwischen Kinderschutz, Elternrechten und Verfahrensanforderungen
Sexualisierte Gewalt im familiengerichtlichen Kontext
• Hands-on-Delikte und Hands-off-Delikte
• Missbrauchsabbildungen und deren familienrechtliche Relevanz
• Besonderheiten innerfamiliärer Verdachtslagen
• Unterschiede zwischen strafrechtlicher Beweisführung und familiengerichtlicher Risikoabschätzung
• Häufige fachliche Fehlannahmen
Schutzfähigkeit und Schutzbereitschaft von Eltern
• Wie entsteht Schutz für Kinder?
• Schutzfähigkeit versus Schutzbehauptung
• Exploration von Müttern im Spannungsfeld zwischen Loyalität, Partnerschaft und Kinderschutz
• Hinweise auf Bagatellisierung, Verleugnung und Verantwortungsverschiebung
• Bewertung elterlicher Schutzressourcen
• Wann ist ein Kind tatsächlich geschützt?
Fallbeispiele aus der Praxis
Gesprächsführung mit unter Verdacht stehenden Elternteilen
• Besonderheiten der Exploration bei laufenden Verfahren
• Umgang mit Abwehr, Bagatellisierung und Verantwortungsabwehr
• Täterstrategien im familiengerichtlichen Kontext
• Typische Argumentationsmuster
• Grenzen der Interpretation
• Was kann aus Aussagen abgeleitet werden und was nicht?
Risikoabschätzung, Schutzkonzepte und Umgangsregelungen
• Risiko- und Schutzfaktoren bei sexualisierter Gewalt
• Welche Kinder sind besonders vulnerabel?
• Anforderungen an tragfähige Schutzkonzepte
• Institutioneller Schutz versus tatsächlicher Schutz
• Begleitete Umgänge bei Verdachtslagen
• Voraussetzungen, Chancen und Grenzen
• Kriterien für die fachliche Bewertung bestehender Schutzmaßnahmen
Zusammenarbeit der Professionen
• Familiengericht
• Jugendamt
• Verfahrensbeistand
• Sachverständige
• Sozialpädagogische Familienhilfe
• Beratungsstellen
• Staatsanwaltschaft
• Polizei
Schwerpunkte
• Wer hat welche Aufgabe?
• Wo liegen die Grenzen der jeweiligen Rolle?
• Typische Schnittstellenprobleme
• Warum scheitert Zusammenarbeit häufig?
• Welche Folgen entstehen daraus für Kinder?
Typische Verfahrensfehler und ihre Folgen
• Problematische Beweisbeschlüsse
• Vermischung familienrechtlicher und strafrechtlicher Fragestellungen
• Fehlende Risikoabschätzung
• Fehlende Schutzkonzepte
• Ungeeignete Umgangsregelungen
• Fehlende Rollenklärung
• Auswirkungen auf Kinder und Familien
Fallwerkstatt und Diskussion
• Analyse ausgewählter Praxisfälle
• Diskussion konkreter Handlungsmöglichkeiten
• Fragen aus der Praxis der Teilnehmenden
Methodik:
Fachlicher Input, Praxisnahe Fallbeispiele, Analyse realer Verfahrensdynamiken, Gemeinsame Fallreflexion, Diskussion typischer Problemkonstellationen, Raum für Fragen und Erfahrungsaustausch.
Zielgruppe:
Familienrichterinnen und Familienrichter, Verfahrensbeistände, Familienpsychologische Sachverständige, Mitarbeitende der Jugendämter, Fachkräfte der Sozialpädagogischen Familienhilfe, Mitarbeitende von Beratungsstellen, Weitere Fachkräfte im familiengerichtlichen Kinderschutz.
Ablauf und Informationen
Termin:
Datum: Mittwoch, 24. Februar 2027
Uhrzeit: 09:00 - 16:00 Uhr
Ort: Online
Tagesablauf:
09:00 - 12:00 Uhr Online-Seminar
12:00 - 13:00 Uhr Mittagspause
13:00 - 16:00 Uhr Online-Seminar
Vor- und nachmittags wird es zudem eine kurze Kaffeepause geben.
Fortbildungspunkte:
Fachanwälte können Fortbildungspunkte sammeln
Teilnahmebescheinigung:
Teilnehmer*innen erhalten im Anschluss eine Teilnahmebescheinigung
Kosten: 245,00 Euro zzgl. MwSt.
Gruppenrabatte und Ermäßigungen sind möglich. Bitte sprechen Sie uns an.

Referentin
Alena Mess
Diplom-Sozialpädagogin, familienpsychologische Sachverständige und Referentin für sexualisierte Gewalt, Missbrauchsabbildungen und Kindeswohlgefährdung sowie Paar- und Sexualtherapeutin. Sie berät Familiengerichte, bildet Fachkräfte aus Justiz, Jugendhilfe, Polizei und BKA fort und arbeitet mit Personen, die wegen des Konsums von Missbrauchsabbildungen strafrechtlich auffällig geworden sind. Seit 2026 ist sie Fallsupervisorin der Staatsanwaltschaft Hamburg im Bereich Cybercrime und Missbrauchsabbildungen.
